Now or Never – kunstreiche Festspiele in der Walentowski Galerie Salzburg

Now or Never – kunstreiche Festspiele in der Walentowski Galerie Salzburg

„Now or Never“ war das Motto der heurigen Festspielausstellung der Walentowski Galerie Salzburg, die Freitagabend eröffnet wurde.

Gezeigt werden Arbeiten des international renommierten Künstlers Jürgen Norbert Fux.

Für diesen hieß es bedauerlicherweise wohl „Never“ für seinen Rückflug von Mallorca hier her, so war der Künstler selbst an diesem Abend nicht anwesend.

Der Stimmung der erschienenen Gäste tat dies dennoch keinen Abbruch und die Werke sprechen für sich.

Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist die Porträtfotografie, die dann jedoch so weit entfremdet wird, dass etwas vollkommen Eigenständiges entsteht. Durch diese Formensprache erreicht Fux einen hohen Wiedererkennungswert in seiner Kunst, was Sammler weltweit zu schätzen wissen.

Wer unseren Jürgen Fux kennt weiß, dass er nie viel über seinen Erfolg spricht – ein sympathisch, bodenständiger Künstler mit großem Familiensinn.

Dennoch hat er bereits international große Bekanntheit erlangt und ist auf den großen Messen wie der Red Dot Miami, der ART Fair in Köln oder der ART Basel vertreten.

So verwundert es auch nicht, dass er, neben seinem Atelier in Anif bei Salzburg arbeitet er vorwiegend in Miami oder Tel Aviv.

Salzburg ist so etwas wie sein ganz persönlicher Rückzugsort, wo er jede freie Minute seiner Familie widmet und ein wenig entspannen kann vom Jet Set Leben.

Jedes seiner Werke ist ein Original, garantiert mit einem Zertifikat mit Seriennummer. Die „Hinter Glas Technik“ ist typisch und prägnant für einen echten Jürgen Fux. Edelstahl oder normaler Stahl dient hier als Basis, mit hinter Glas oder Plexiglas gedrucktem Motiv. Das Bild wird von Hinten bemalt, um einen noch größeren Kontrast zu erzielen. Das fertige Werk scheint so am Stahl zu schweben.

Farbenfroh, innovativ und modern – so gibt es für jede Art von Räumlichkeit das passende Werk.

Das ist es, was auch zahlreiche Besucher in diese Ausstellung lockte. Bei coolen Drinks und frischen Tramezzini wurde dann auch gleich fachgesimpelt und all diese beeindruckenden Arbeiten bestaunt.

Es ist wieder Festspielzeit. Zahlreiche Besucher strömen in die Stadt, alles ist eleganter als sonst – bunter als sonst.

Besser könnte diese Ausstellung wohl kaum in diese wundervolle Festspielzeit passen – ein gelungener Start in wundervoll kunstreiche Festspiele.

Wer sich nun  selbst davon überzeugen möchte, sollte unbedingt in die Walentowski Galerie nach Salzburg kommen (Sigmund-Haffner-Gasse 3, 5020 Salzburg). Ein Besuch lohnt sich.

Bis dahin gibt es hier ein paar Highlights dieses Abends:

Thomas Pail

Museum der Moderne Salzburg: Ernst Ludwig Kirchner. Der Maler als Fotograf.

Museum der Moderne Salzburg: Ernst Ludwig Kirchner. Der Maler als Fotograf.

Samstagvormittag war ich bei einer, speziell für mich, besonderen Ausstellungseröffnung im Museum der Moderne, hier in Salzburg.

„Ernst Ludwig Kirchner. Der Maler als Fotograf.“ Unter diesem Titel werden hier von 2. März bis 16. Juni 2019 rund 300 Fotografien dieses künstlerischen Multigenies ausgestellt.

Ernst Ludwig Kirchner, geboren am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg, zählt mit zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus. Er war jedoch vielmehr als der Maler, als den ihn wohl die meisten von uns kennen. Maler, Grafiker, Bildhauer und Fotograf – sein künstlerisches Schaffen war vielfältig.

Ernst Ludwig Kirchner Selbstporträt, um 1928, Glasnegativ, Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992 / Museum der Moderne Salzburg

Was mich persönlich besonders an dieser Ausstellung fasziniert ist, dass man speziell seinem Schaffen im Bereich der Fotografie Aufmerksamkeit schenkte, so experimentierte er gerade in diesem Bereich künstlerisch und kreierte damit seinen ganz eigenen Stil. Die Fotografie als Form des Ausdrucks, die Fotografie als Form der Selbstdarstellung, die Fotografie als Mittel seine eigene Kunst in Szene zu setzen.

Besonders kennzeichnend, die Unschärfen und die teils extreme Überbelichtung –  in der Fotografie auch “Fehler” genannt – zeichnete seine Art der Fotografie aus.

„Sie haben leider ein wenig gewackelt, deshalb sind Sie nicht ganz scharf. Aber Sie geben uns doch den Kopf des von uns Geschätzten ganz gut und helfen unserer Erinnerung.“ Das waren die Worte, die er 1932 dem Schriftsteller Alfred Döblin schrieb, als er ihm sein etwas verwackeltes Portrait übermittelte. Es war Döblin selbst, der Schuld daran war, da dieser nicht still halten konnte.

Ernst Ludwig Kirchner inszenierte sich auch immer wieder selbst sehr gerne, besonders in seinen Ateliers, seinen so genannten Wohnhöhlen. Ebenfalls prägnant, die erotischen Darstellungen mit der Tänzerin Nina Hard.

Auch sein großes Interesse an der afrikanischen Kultur beeinflusst immer wieder seine Werke.

Er war alles nur kein einfacher Mensch und lebte in einer ebenso nicht einfachen Zeit. Ob er nicht einfach war, da die Zeit nicht einfach war oder die Zeit für ihn nicht einfach war weil er nicht einfach war, konnte auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer nicht beantworten, der die Ausstellung eröffnete.

1937 entarteten die Nationalsozialisten seine Kunst. Zahlreiche seiner Werke wurden zerstört oder verkauft.

Da er sich das – gemeint den zweiten Krieg – nicht mehr antun wollte, schied Ernst Ludwig Kirchner am 15. Juni 1938 freiwillig aus dem Leben.

Museum der Moderne Salzburg, Vernissage, Salzburg , (c)wildbild

Während der Eröffnung der Ausstellung und des Betrachtens seiner Werke und seines Lebenswerkes habe ich mir persönlich immer wieder eine Frage gestellt – was wäre Ernst Ludwig Kirchner, wenn er in unserer heutigen Zeit leben würde.

Wahrscheinlich wäre er mit der erfolgreichste Blogger und Influencer unserer Zeit.

Warum? Das ist nicht schwer erklärt.

Er war ein Mensch der sich immer wieder gerne selbst in Szene setzte, jemand der Kritik am System übte, ein Künstler der viel zu sagen hatte, Themen und Menschen inszenierte, ein unglaubliches grafisches Talent hatte.

All die Eigenschaften, die auch ein Blogger haben sollte.

Ernst Ludwig Kirchner – ein Ausnahmekünstler, Lebemensch, Exzentriker. Ein schwieriger Mensch, der sich häufig dem Alkohol- und Tabakgenuss hingibt, in einer schweren Zeit. Damals als Künstler viel kritisiert, heute mit einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus.

Diese beeindruckende Ausstellung gibt mit diesen zahlreichen Fotos viel seines Lebens und Schaffens preis und gibt Einblicke in unterschiedlichste Phasen seines Lebens.

Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung sich diese anzuschauen, ganz besonders Menschen, deren Interesse in fotografischen und graphischen Themen liegen, denn war Ernst Ludwig Kirchner neben seiner Malerei sicherlich mit einer der Pioniere in den Bereichen Fotografie und Grafik.

Eine großartige Ausstellung, die man nicht verpassen sollte und für mich eine wundervolle Gelegenheit auch meine Jacke der Münchner Promi-Designerin Pia Bolte auszuführen.

Ein großes Danke geht auch an das Museum der Moderne Salzburg und der Salzburger Fotografin Doris Wild für die großartigen Fotos.

Thomas Pail

Fotos © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild