Mut zum Unberechenbaren – das war die Eröffnung der 75. Bregenzer Festspiele

Jul 25, 2021 | 0 Kommentare

Mut zum Unberechenbaren – das zeichnet die Bregenzer Festspiele ganz besonders aus. Darauf wies Festspielpräsident Hans-Peter Metzler bereits in der Vergangenheit hin. Seit 2020 hat der Begriff „Mut zum Unberechenbaren“ noch eine ganz andere Bedeutung. Corona hat unser Leben in vielfacher Hinsicht verändert. Soziale Kontakte waren kaum bis gar nicht möglich. Auch die Bregenzer Festspiele mussten 2020 abgesagt werden.

„Was für ein schöner Tag das heute ist. Endlich sehen wir uns alle wieder.“ Mit diesen Worten begann Bundespräsident Alexander van der Bellen seine Eröffnungsrede anlässlich dieses besonderen Jubiläums.

Rückkehr zur Normalität oder doch vielmehr ein Neubeginn? Im voll besetzten Festspielhaus, so ganz ohne Masken, überkam einen zumindest das Gefühl von Normalität, fast ungewohnt.

© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

Das Programm – ein Feuerwerk aus Drama, Komödie und ganz großem Kino. Durch die Veranstaltung führte eine ganz besondere Grand Dame, die keiner Vorstellung mehr bedarf, denn – man kennt sie. Begleitet wurde sie von Nikolaus Habjan, Regisseur, Puppenspieler und Kunstpfeifer. Charmant, witzig und frech sorgte diese alte Dame für viele Lacher im Publikum. Eine gekonnt humorvolle, außergewöhnliche Moderation einer Eröffnungsfeier. 

© Bregenzer Festspiele/Karl Forster

Bundespräsident Alexander van der Bellen nutzte die Gelegenheit, mit mahnenden Worten auf aktuelle Themen wie Chancengleichheit für Frauen, die Unzufriedenheit der Leute hinsichtlich des Umganges mit den Institutionen des Staates seitens der Politik, bis zur Klimakrise. 

Die Pandemie habe an vielen Frauen „wirklich gezehrt“, Betreuungsarbeit und Homeschooling seien im Wesentlichen an den Frauen hängen geblieben. „Das sollten wir nicht hinnehmen. Es braucht eine Änderung in den Köpfen aller und den Geldbörsen der Frauen“, stellte Van der Bellen fest. Er verstehe nicht, warum man es Frauen möglichst schwer mache, Chancen auf dem Arbeitsmarkt wahrzunehmen.

Hinsichtlich der Klimakrise appellierte er an das anwesende Publikum: „Wir müssen uns Sorgen machen. […] Zu den Menschenpflichten gehört es, finde ich, unser Haus den nächsten Generationen in Ordnung zu übergeben“.

Schlussendlich gratulierte er den Bregenzer Festspielen zu deren Jubiläum. Es sei DAS Festival der zweiten Republik, nachdem es kurz nach der Befreiung von 1945 gegründet wurde. Damit waren die Bregenzer Festspiele 2021 eröffnet.

© Bregenzer Festspiele/Karl Forster

Eröffnungen seien „immer etwas Besonderes“ führte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler aus. „Aber 75 Jahre Bregenzer Festspiele heißt auch, 75 Jahre wissen wir, was wir tun, was wir wollen und was wir können“, so Metzler. 

Kultur bleibe sinnvoll, zweckvoll, brauchbar, ja unverzichtbar, unterstrich der Festspielpräsident. So ist das Recht auf Kunst und Kultur auch in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ verankert. Man könne damals nicht mit heute vergleichen. Die damaligen Proponenten hätten scheinbar Unmögliches geschaffen, dazu müsse vieles zusammenkommen. „In einem Wort: Engagement. Dazu gehören auch die Politik, Sponsoren und ein kulturinteressiertes Publikum. „Wir sind vernünftig und verantwortungsvoll, weil wir heute zu ‚Unvernünftigem‘ stehen, uns dazu bekennen: Ja, wir wollen Festspiele!“, so Metzler. 

© Bregenzer Festspiele/Karl Forster

„Wir brauchen das Schöne, das Menschliche, den Widerspruch, die Reibung, das Verblüffende, die Fantasie, den kritischen Blick. Ohne Kunst können wir überleben, aber unser Menschsein kann das nicht“, stellte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer in Ihrer Festansprache fest. Ohne Freiheit gäbe es keine Kunst. Aktueller könnte dies nicht sein. Die Bregenzer Festspiele symbolisierten, „was das Beste an unserem Land, an Österreich ausmacht“, sagte Mayer. Eine Loslösung von dunklen vergangenen Zeiten. Es gibt gerade in Bregenz etwas, das ganz andere Sichtweisen ermöglicht. Eingebettet in die Weite des Sees eröffne die Bregenzer Seebühne die große Perspektive. 

© Bregenzer Festspiele/Karl Forster

Eine besondere Verbundenheit der Bregenzer Festspiele besteht mit den Wiener Symphonikern, die bereits seit Anbeginn 1946 besteht. Eine wundervolle musikalische Brücke von Bregenz aus in die Bundeshauptstadt.

© Bregenzer Festspiele/Karl Forster

Ja, Corona hat die Bregenzer Festspiele 2020 ausfallen lassen. Dafür ist die Freude auf die diesjährigen Festspiele umso größer. 80 Veranstaltungen mit 212.000 aufgelegten Karten stehen dieses Jahr auf dem Programm.

Darunter, ganz besonders für mich, zwei ganz besondere Highlights. Auf der Bregenzer Seebühne wird, nun bereits das zweite Jahr die Oper „Rigoletto“ aufgeführt. Eine Oper, mit dem wohl beeindruckendsten und spektakulärsten Bühnenbild, das ich jemals gesehen habe. Ich durfte diese Oper bereits 2019 sehen und kann ich persönlich nur jedem empfehlen eines der noch verfügbaren Tickets zu ergattern und sich diese Oper anzuschauen. Egal woher ihr seid, es ist einen Ausflug nach Bregenz auf alle Fälle wert. Mein persönliches zweites Highlight war die Oper „Nero“, die im Festspielhaus aufgeführt wird. Verwirrend, schwer verständlich und dennoch ein Highlight, das man nicht verpassen sollte. Insbesondere darum, da diese Oper von Arrigo Boito nur sehr selten aufgeführt wird. Dazu komme ich jedoch noch näher in meiner Opernkritik dazu. Diese folgt in den kommenden Tagen.

Für mich persönlich war diese Eröffnung, die schönste Festspieleröffnung, die ich jemals besuchen durfte. Warum? Weil hier alles geboten wurde. Ein Einblick auf das aktuelle Programm, musikalische Highlights, kurzweilige Reden, ernste und aktuelle Themen und dennoch viel Charme, Witz und Humor. Dies war mitunter tatsächlich dem Moderator Nikolaus Habjan geschuldet der mit seiner Handpuppe, der Diva „Lady Bug“, frech, sympathisch und vor allem humorvoll durch die Veranstaltung führte.

Ja, die Bregenzer Festspiele sind mittlerweile ein jährlicher Fixpunkt für mich. Das großartige Programm, die Gastfreundschaft, die unkomplizierte offene Art, die großartigen Gäste und diese wunderschöne Stadt haben mich in ihren Bann gezogen.

Vielen Dank an die Bregenzer Festspiele für die Einladung zu der Eröffnung, Gratulation für dieses tolle Programm und vor allem alles Gute zum 75. Jubiläum! Ich freue mich immer hier mit dabei zu sein. Mein Wunsch ist, dass ihr so weitermacht, wie bisher. Ich freue mich bereits jetzt schon auf die Bregenzer Festspiele 2022.

Thomas Pail

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben sich eine der zahlreichen Vorstellungen anzuschauen – hier kommt ihr direkt zur Kartenbestellung:

https://bregenzerfestspiele.com/de/karten/spielplan

© Thomas Pail

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