Ein ungekannter Hofnarr, ein kleines Jubiläum und einige Ritter

Rigoletto erstmals auf der Seebühne

Verdi-Oper eröffnet 74. Bregenzer Festspiele

Eine besondere Premiere erwartet die Festspielgäste im kommenden Sommer: 73 Jahre nach Festivalgründung erklingt erstmals die bekannte Arie „La donna e mobile“ auf der Bregenzer Seebühne. Das Sommerfestival am Bodensee präsentiert Rigoletto als Spiel auf dem See. Die

Oper von Giuseppe Verdi eröffnet am 17. Juli die kommende Festspielsaison, bis zum Saison­ schluss am 18. August stehen 27 Seebühnen-Vorstellungen auf dem Programm.

Im Mittelpunkt der Oper im Festspielhaus steht mit dem „Ritter von der traurigen Gestalt“ eine der bekanntesten Figuren der Weltliteratur: Don Quichottevon Jules Massenet feiert am 18. Juli Premiere. Die Werkstattbühne wird mit einer Uraufführung und einer Österreichischen Erst­ aufführung erneut zum Ort für zeitgenössisches Musiktheater. Das Kornmarkt-Theater ist nicht nur zum fünften Mal Heimstätte des Opernstudios, sondern lockt auch mit einer Schauspiel­ Premiere des Deutschen Theaters Berlin.

Vier Orchesterkonzerte laden Liebhaber symphonischer Musik in den Großen Saal des Fest­ spielhauses, drei literarisch-musikalische Kleinode kredenzt das Festival erneut im Seestudio bei Musik & Poesie und an einem Abend gibt’s ein Wiedersehen mit der in Vorarlberg wohl be­ kannten und aus Tirol stammenden Musicbanda Franui.

Insgesamt stehen während fünf Sommerwochen mehr als 80 Veranstaltungen auf dem Spiel­ plan des Festivals am Bodensee.

Rund dreieinhalb Monate vor Eröffnung der 74. Festivalsaison sind rund zwei Drittel der für Rigoletto aufgelegten 192.00 Tickets verkauft (inkl. Generalprobe und crossculture night). Für die Geschichte um den gleichnamigen Hofnarren gibt es für alle 27 Vorstellungstermine und in vielen Kategorien noch Plätze. See-Premiere und Festspielstart ist am 17. Juli, das letzte Spiel auf dem See geht zum Saisonende am 18. August 2019 über die Bühne. Giuseppe Verdis schau­ rig-schönes Meisterwerk wurde noch nie auf der Seebühne gezeigt.

Regie bei Rigoletto führt der 1967 in München geborene Philipp Stölzl, der gemeinsam mit Heike Vollmer auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnen wird. Er machte sich als Re­ gisseur von Musikvideos unter anderem für die Sängerin Madonna einen Namen, bevor er mit Spielfilmen wie Nordwand, Goethe! und Der Medicus für Aufsehen sorgte. Als Opernregisseur inszenierte der gelernte Bühnenbildner unter anderem bei den Salzburger Festspielen, am The­ ater an der Wien sowie in Berlin an der Deutschen Oper und an der Staatsoper. Die musikali­ sche Leitung liegt bei Enrique Mazzola und Daniele Squeo, es spielen die Wiener Symphoniker. Mazzola dirigierte im Sommer 2017 die Oper im Festspielhaus Moses in Ägypten.

Ein Ritter von Weltliteratur im Festspielhaus

Als Oper im Festspielhaus zeigen die Bregenzer Festspiele im Sommer 2019 Jules Massenets Don Quichotte. Die 1910 in Monte Carlo uraufgeführte Comedie heroi“que feiert am 18. Juli 2019 Premiere am Bodensee, es folgen zwei weitere Aufführungen. Der selbsternannte „Ritter von der traurigen Gestalt“ gehört seit Jahrhunderten zu einer der faszinierendsten Gestalten der Weltliteratur. Auf der Opernbühne machte ihn der französische Komponist zum leidenschaft­ lich Liebenden. Die Stoffgrundlage schuf der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes An­ fang des 17. Jahrhunderts. Das Libretto stammt von Henri Cain nach Jacques Le Lorrains Le Chevalier de la longue figure (1904).

Am Pult der Wiener Symphoniker steht Antonino Fogliani, der im vergangenen Festspielsom­ mer die musikalische Leitung von Carmen innehatte. Für die Inszenierung zeichnet Mariame Clement verantwortlich, die erstmals bei den Bregenzer Festspielen arbeitet und in den vergan­ genen Jahren unter anderem am Royal Opera Hause Covent Garden, im Theater an der Wien, beim Glyndebourne Festival und an der Opera national du Rhin tätig war. Bühne und Kostüme entwirft Julia Hansen, ebenfalls erstmals bei den Bregenzer Festspielen zu Gast.

Wunderwandelweltauf der Werkstattbühne

Zum Festspielfinale geht eine Musiktheater-Uraufführung über die Werkstattbühne.Der fran­ zösische Multi-Künstler Fram;ois Sarhan realisiert mit Wunderwandelwelt eine musiktheat­ rale Installation an zwei Abenden, für die er Musik, Text, Konzept und Raum entwirft. Kopro­ duktionspartner ist das in der Nähe von Paris beheimatete Zentrum für elektroakustische Mu­ sik La Museen Circuit, Kooperationspartner sind die Donaueschinger Musiktage. Das Bregen­ zer Publikum kennt Sarhans Schaffen von seiner 2011 auf der Werkstattbühne gezeigten Ur­ aufführung Horne Work.

Ebenfalls auf der Werkstattbühne ist an den beiden letzten Juli-Tagen als Österreichische Erst­ aufführung das Musiktheaterwerk Der Reigen nach Arthur Schnitzlers gleichnamigem Schau­ spiel zu sehen. Das 2012 von Komponist Bernhard Lang und Librettist Michael Sturminger ge­ schaffene Werk wird von Alexandra Liedtke inszeniert, am Dirigentenpult steht Walter Kobera. Der Reigen ist eine Koproduktion mit der Neuen Oper Wien. 

Denselben Stoff verarbeitet die in Bregenz wohlbekannte Musicbanda Franui im großen Saal des Festspielhauses unter dem Titel Arthur Schnitzler: Reigen zu einem Konzert mit Drama. Franui begleitet die Lesung sämtlicher Rollen durch die Schauspieler Sven-Eric Bechtolf und Regina Fritsch mit Prater-Karussellmusik, Belcanto-Melodien und böhmischen Weisen.

Weitere Ritter von der traurigen Gestalt: Don Quijote im Konzert und als Schauspiel

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Philippe Jordan spielen die Wiener Symphoniker an zwei aufeinanderfolgenden Tagen alle Symphonien von Johannes Brahms. Eröffnet wird die Symphoniker-Konzertreihe mit Giuseppe Verdis opulentem Requiem, am Pult steht der ehe­ malige Chefdirigent Fabio Luisi. Das Symphonieorchester Vorarlberg widmet dem „Ritter von der traurigen Gestalt“ seine traditionelle Konzertmatinee unter der Leitung von Ariane Mati­ akh: Rund um die Geschichte von Don Quijote stehen Werke von Maurice Ravel, Jacques Ibert und Richard Strauss auf dem Programm.

Und auch am Kornmarkt-Theater gibt’s ein Wiedersehen mit dem Ritter: Zwei Tage nach Pre­ miere der Oper im Festspielhaus zeigt das Deutsche Theater Berlin Don Quijote als Premiere und Koproduktion in der Inszenierung von Jan Bosse. Mit Ulrich Mathes und Wolfram Koch sind zwei gleichermaßen renommierte wie bekannte Schauspieler zu sehen.

Kleines Jubiläum: Fünftes Bregenzer Opernstudio

Fünf Jahre nach Gründung erarbeiten die jungen Sängerinnen und Sänger des Opernstudios mit Peter I. Tschaikowslds Bugen Onegin ein Werk mit anspruchsvollen Partien, das 1879 für die Aufführung durch Studentinnen und Studenten des Moskauer Konservatoriums geschrieben wurde. Regie im Kornmarkt-Theater führt Jan Eßinger, Valentin Uryupin dirigiert das Sympho­ nieorchester Vorarlberg. Die öffentliche Meisterklasse Anfang Juli leitet erstmals Dmitry Vdo­ vin, Chef des 2009 von ihm gegründeten Opernstudios am Bolshoi-Theater Moskau.

Musik & Poesie

In Luftkunst, einen Russischen Salon und einen Ort für Narren verwandelt sich das Seestudio an drei Abenden anlässlich der beliebten Reihe Musik & Poesie. Nikolaus Habjan ist erneut als Kunstpfeifer und Puppenspieler zu erleben. Aus dem Festspiel-Opernstudio stammt die Mez­ zosopranistin Aytaj Shikhalizada, die wenig bekannte Lieder von Peter I. Tschaikowsky präsen­ tiert. Der aus Vorarlberg stammende Schriftsteller Michael Köhlmeier spürt Narrenfiguren nach.

Opernatelier- Einblick am 22. Mai

Im Frühjahr 2015 ließ der erste Einblick das Publikum in die Entstehung einer Oper blicken, im Sommer 2017 gelangte das erste Opernatelier-Werk zur Uraufführung. Zwischenzeitlich ging die von Intendantin Elisabeth Sobotka initiierte Reihe mit dem aus Vorarlberg stammenden Komponisten Alexander Moosbrugger in ihre zweite Runde. In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz laden die Bregenzer Festspiele am 22. Mai zum dritten Einblick. Die Urauf­ führung des noch namenlosen Werks soll im Sommer 2020 stattfinden.

In Kooperation mit dem ORF Vorarlberg und dem Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele laden drei Festspielfrühstücke erneut ins Seefoyer. Das Jugendprogramm crossculture bietet neben der traditionellen crossculture night zahlreiche Aktivitäten zum kreativen Mitmachen. Für das Konzert im KUB wählte der Opernatelier-Komponist Alexander Moosbrugger Werke von Johann Sebastian Bach, Rebecca Saunders und ihm selbst.